warum es in meinem kopf gewitter gibt





Kaum eine Frage habe ich mir jemals mehr gestellt als diese. Gewitter sind die bildlichste Anschauung, die mir zu meinen unbändigen Wellen an Gefühlen einfällt. Wie wichtig meine psychische Gesundheit ist und wie schwer es ist krank zu sein, dafür mussten Jahre vergehen, damit ich das verstehen konnte. Jahre, in denen die Gewitter zu Orkanen wurden und Tage, an denen Regenschauer meine Brust überschwemmten.

Lange Zeit war ich mir unsicher, ob sich je ein Mensch so fühlen kann wie ich mich fühlte und ich war gelähmt von einem Schmerz, der mir die Luft zum Atmen nahm. Inzwischen lerne ich, dass die Krankheit ein gemeiner Lügner ist. Ein Lügner, der mir einredet(e), dass es eine Zukunft für mich nicht geben kann. Dass Menschen mich nicht lieben können. Dass der Schmerz meine eigene Schuld sei. Aber wie erklärt man die Betonsteine auf meinem Körper, die sich morgens manchmal auf mich legen? Es sind Gewitter in meinem Kopf. Blitze, die mich erstarren lassen und Regenschauer, die mir die Sicht verblenden. Aber jedes Gewitter zieht vorbei und meistens scheint danach auch wieder die Sonne. Klingt irgendwie kitschig, ist aber auch wirklich so.

Es ist heute der letzte Tag im Juli. Das sind fünf Jahre nach meinem Krankenhausaufenthalt und fünf Jahre nach meinem Ein- und Ausgehen in der Psychiatrie. Wenn es nach meinem Ich vor fünf Jahren ginge, dann würde ich diesen letzten Juli Tag in diesem Jahr eigentlich gar nicht erleben. Aber meine Krankheit ist ein gemeiner Lügner und ich bin froh, dass ich das noch rausfinden konnte.

1 Kommentar:

E. hat gesagt…

sehr berührende Worte! Du hast so Recht. Lange Zeit habe ich mich auch gefragt, ob andere wohl genau so fühlen wie ich und bin jetzt umso glücklicher, dass ich Tag für Tag neue Blogger hier entdecke. In einer “Gruppe“ lassen sich Gefühle nun mal besser fühlen :)

Ganz lieben Gruß.

E.